Tankstellenbenzin in der Formel 1 Es war für die Mineralölkonzerne immer eine Frage gewesen, wie glaubwürdig sie ihre Interessen durch die Formel 1 transportieren konnten. Das Ziel war klar: sie wollten den potentiellen Kunden auf der ganzen Welt beweisen, dass ihr Kraftstoff leistungsfähig war – was aber war, wenn man den Kraftstoff überhaupt nicht in der Formel 1 benutzte? Daher hatten schon mehrere Vertreter der Ölkonzerne versucht, auf das Reglement der FIA Einfluss zu nehmen und das Benzin in den Tanks der Rennfahrzeuge dem der Wagen auf der Straße anzunähern. Ein erster wichtiger Schritt dafür wurde in der Saison 1992 gelegt, als die FIA neue Regelungen für den Kraftstoff verkündete. Er durfte von nun an nur noch Stickstoff, Sauerstoff und Kohlenwasserstoff enthalten, nicht aber die verschiedenen Additive, die bis dahin in der Formel 1 üblich gewesen waren. Diese Zusätze, unter denen man Alkohol und Stickstoffverbindungen fand, hatten der Leistung der Fahrzeuge natürlich genützt, widersprachen dem „neuen Wind“ in der Formel 1 aber auf bestimmte Weise. Ein Jahr später wurden die Vorschriften sogar noch verschärft – die FIA legte nun fest, dass der Treibstoff sämtlichen Sicherheits- und Gesundheitsvorschriften der Europäischen Union genügen musste. Dem Tankstellenbenzin war der Weg in den Formel 1 Sport geebnet. Die Auswirkungen waren deutlich. Zu Beginn der neunziger Jahre war es jede Saison üblich gewesen, viele verschiedene Mischungen zu testen und auf die jeweiligen Anforderungen des Fahrzeugs abzustimmen – nun konnte man die Varianten ds Kraftstoffs mehr oder weniger an einer Hand abzählen. Das Rennbenzin entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem zwar wichtigen, aber nicht mehr so stark einbezogenen Bestandteil des Setups, indem es nur noch eine gewisse Leistungssteigerung erzeugte. Der Unterschied zwischen Renn- und Straßenbenzin liegt noch heute nur in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe, aber nicht mehr in Zusatzstoffen. Diese Änderungen führten zu einer Reihe von Betrugsversuchen, gegen den die FIA sich absichern musste: seit 1995 muss der jeweils verwendete Kraftstoff in seiner Zusammensetzung mit einer Probe identisch sein, die der FIA vorliegt. Diese Probe muss zuvor bei der Motorsportbehörde zur Freigabe hinterlegt werden. >>> Deutsche Fahrer arbeiten sich nach oben |